Eine Kampagne für mehr Münsterbirnen

Auf der ersten Fraktionssitzung nach der Sommerpause berichtet Hans-Jürgen Serwe von der „AG Münsterbirne“ bei Slow Food Aachen. Bei zukünftigen Planungsvorhaben in den Kommunen würde die Fraktion begrüßen, wenn die Münsterbirne bei Neupflanzungen berücksichtigt werden würde.

„Am beirbvm“

Der ehemalige Umweltdezernent im Kreis Mettmann Hans-Jürgen Serwe berichtet von seinen Recherchen über die Herkunft der Münsterbirne und von historischen Zuschreibungen. Über einen Grenzstein im Münsterwald bei Roetgen, der auf das 17. Jahrhundert verweist, heißt es: „Am beirbvm“ – einem heute im Wald gelegenen Grenzstein mit Korneliushorn – habe einst eine Münsterbirne gestanden. Beweise fehlen, aber denkbar ist es.

Die Münsterbirne ist die älteste heimische Obstsorte in der Aachener Region. Der Baum wächst sehr stark und kann bis zu 200 Jahre alt werden. Die Frucht ist klein, mit süßem und würzigem Geschmack. Früher gab es tausende von Münsterbirnenbäumen und die Birne war auf allen Märkten in der Region zu bekommen. Doch inzwischen ist ihr Bestand gefährdet, da die meisten Bäume gefällt wurden, die übriggebliebenen überaltert sind und neue kaum noch angepflanzt wurden.

Arche des Geschmacks

Das Convivium Aachen, die örtliche Struktur von Slow Food, hat sich zum Ziel gesetzt, die wohlschmeckende Birnensorte wieder als regionales Lebensmittel verfügbar zu machen und die Münsterbirne in die „Arche des Geschmacks“ zu überführen. Mit dieser Kampagne versucht Slow Food, bedrohte Arten aus der Tier- und Pflanzenwelt, Zubereitungen und kulinarische Produkte vor dem endgültigen Verschwinden zu bewahren.

Münsterbirnen-Eis

Die „AG Münsterbirne“ hilft bei der Kartierung des Bestandes, wirbt für Neuanpflanzungen und engagiert
sich bei der Ernte. Sie sammelt Rezepte und sucht Kooperationspartner, die sich kulinarisch
mit diesem Obst beschäftigen. In der Eisdiele Delzepich in Aachen gibt es saisonal – Ende August bis
Ende September – das erste Münsterbirnen- Eis der Welt. Und die „KochNische“ im Frankenberger Viertel hat ebenfalls saisonal ein dreigängiges Menü mit Münsterbirnen kreiert. Andere Partner versuchen sich an Birnen-Chutney, Birnen-Marmeladen, Birnen-Senf und vielem anderen mehr.

Slow Food bittet um Ihre Mithilfe

Wer Standorte von alten Münsterbirnbäumen oder Geschichten, Dokumente und Fotos zur Verarbeitung von Münsterbirnen kennt, wird herzlich gebeten, diese Slow Food zur Kenntnis zu geben. Und wenn Sie Interesse haben, selber eine Münsterbirne zu pflanzen, können Sie Kontakt aufnehmen, denn im Herbst wird es wieder eine Sammelbestellung junger Bäume geben.

Kontakt: aachen@slowfood.de oder hj.serwe@googlemail.com (oder Tel. 0241-543302)
https://www.slowfood.de/slow_food_vor_ort/aachen/arche_des_geschmacks_1/

 

 

 

 

Verwandte Artikel