Der Ortsverband Brüssel stellt sich vor

Der OV Brüssel ist ein deutscher, GRÜNER Auslandsverband unter dem Dach des KV Aachens. Er besteht aus über 100 aktiven und passiven Mitgliedern jeden Alters und jeden Berufszweigs. Als Ortsverband in Brüssel profitiert er in besonderer Weise von dem Wissen seiner Mitglieder, die in und mit den Institutionen arbeiten. Auch wir in Aachen wollen von diesem Wissen, von der Nähe zu Brüssel und den Kontakten in die europäische Ebene profitieren. Doch wer sind diese „Brüsseler*innen“ eigentlich? Im Rahmen der diesjährigen Brüssel Exkursion ergab sich die Möglichkeit genauer nachzufragen.

Julia Dylla – die Referentin für Regionalpolitik und Online-Kommunikation

Julia Dylla, ist seit Winter 2014 in Brüssel und arbeitet bei Terry Reinke, MdEP als Referentin für Regionalpolitik und Online-Kommunikation. Derzeit arbeitet sie an einem Dossier über ein Programm, das europäische Mitgliedsländer bei Strukturreformen unterstützen soll.

Beim OV Brüssel koordiniert sie den Arbeitskreis „Gender und Diversity„. Dort betreibt sie Netzwerkarbeit und beschäftigt sich über die klassischen Frauenthemen hinaus, mit Geschlechterrollen, Gleichstellungsthemen, Diversität und Geschlechter-Identitäten. Aktuell arbeitet die Gruppe zum Frauenbild in verschiedenen Kulturkreisen. „Patriarchalische Kulturen gibt es nicht nur im Islam, sondern genauso in Deutschland,“ weiß Julia. „Hierzulande gibt es z.B. unter der Chefredakteur*innen nur einen Frauenanteil von 2% und der Gender Pay Gap ist noch nicht überwunden – das alles hängt mit einer traditionell patriarchalischen Kultur in der Arbeitswelt zusammen.“

Fragestellungen, die der Arbeitskreis behandelt sind z.B. wie lebt man eine gleichberechtigte Partnerschaft und welche europäischen Perspektiven gibt es auf die Vereinbarkeit Familie und Beruf in Frankreich, Schweden, Italien? „In Belgien dauert die Elternzeit drei Monate, danach arbeitet die Mehrheit der Frauen wieder. Ganz im Gegensatz zu Deutschland. Wenn dort eine Frau nach einem Jahr wieder arbeiten möchte, dann wird das eher kritisch beäugt. Bei solchen Themen ist der europäische Vergleich doch manchmal sehr erhellend.“

Karen Schober – die Netzwerkerin für Gesundheit

Karen Schober kam 2014 nach Brüssel um im Vorfeld zu den Wahlen zum Europäischen Parlament die Wahlkampagne der Europäischen Grünen Partei (EGP) zu unterstützen. Vor ihrem Umzug in die belgische Hauptstadt hat sie bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf gearbeitet, wo sie sich mit den Themen Bildung, Ausbildung und Einstieg in den Arbeitsmarkt in Entwicklungsländern beschäftigte. Das Thema Frauen im Arbeitsmarkt interessiert sie auch weiter und sie bringt dieses Interesse seit 2015 mit in den Arbeitskreis Gender und Diversity ein.

Seit 2015 arbeitet sie bei der Kommunikationsagentur Weber Shandwick im Bereich Gesundheit und Forschung. Dort arbeitet sie hauptsächlich mit nationalen und europäischen Patientenverbänden, Forschungskonsortien sowie Ärzten, Krankenhäusern und Biotechunternehmen zusammen. Derzeit unterstützt sie zum Beispiel die Bewerbungen von Netzwerken von medizinischen Spezialisten im Bereich der seltenen Erkrankungen, kurz Europäische Referenznetzwerke. Krankenhäuser, die auf verschiedenste seltene Erkrankungen (z.B. der Lunge) spezialisiert sind, sollen durch dieses Projekt ein Netzwerk aufbauen, um Erfahrung auszutauschen und die Forschung und Patientenpflege in ihrem jeweiligen Feld gemeinsam voranzutreiben.

„Durch ein solches Netzwerk entstehen viele Synergieeffekte. Eine bestimmte seltene Erkrankung haben in Belgien vielleicht 100 Menschen, Europaweit sind das schon ein paar mehr Leute,“ so Karen. Desweiteren unterstützt sie die Kampagne einer europäischen Patientenorganisation zum Thema idiopathische Lungenfibrose, eine seltene Erkrankung der Lunge. Ziel der Kampagne ist es, die Forschung und das öffentliche Bewusstsein für diese Krankheit zu fördern.

Jan Weisensee – der IT-Journalist

Jan Weisensee, ist seit 6 Jahren in Brüssel. Früher hat er als Lobbyist für ein Beratungsunternehmen gearbeitet, das MDAX-Konzerne zum Thema „Lobbying“ berät. Dann hat er die Branche gewechselt, auch aus Gewissensgründen wie er sagt. „Manchmal war die Lobbyarbeit super, wenn die Anliegen der Kunden spannend waren, zum Beispiel wenn ein kleines Internet Start Up Unternehmen versucht Gesetze zu verhindern, die große Platzhirsche bevorteilen. Anders sieht es aus, wenn zum Beispiel ein großer Chemiekonzern seine Chemikalien möglichst von der Umweltregulierung ausnehmen möchte.“

Heute ist Jan als freier Journalist und NGO-Gründer  tätigt. Er schreibt derzeit hauptsächlich für golem.de – eine der wichtigsten IT-News-Webseiten in Deutschland. Dort schreibt er über Netzpolitik, Computersicherheit und Privatsphäre im digitalen Zeitalter. Zu den Grünen kam er vor rund zwei Jahren, um sich mehr politisch einzubringen. Seitdem hat er den Arbeitskreis „Internet“ mitgegründet, der sich mit Themen wie Copyright, Datenschutz & Privatsphäre, Terrorismus, Netzneutralität & Zugang zu freiem Wissen beschäftigt.

Thomas Bobinger – der Verbraucherschutzexperte

Thomas Bobinger ist seit 2010 in Brüssel, nachdem ihn ein Stipendium ins EU-Parlament führte. Anschließend war er bis Dezember 2015 an der Seite von Jan Weisensee in einer Unternehmensberatung tätig.

Heute ist er beim Verbraucherzentrale Bundesverband, wo er zu Energiepolitik, Telekommunikationspolitik und automatisiertem Fahren arbeitet. Er beschäftigt sich mit Fragestellungen, wie man den Ausbau erneuerbarer Energien in Europa fördert, wie man Energiearmut bekämpft und wie man im Kommunikationsbereich, Netzneutralität, offenes Internet, Datenschutz und Verbraucherrechte sicherstellen kann.

Gewechselt hat er wegen der „Flüchtlings-Chance“, wie er sagt. „Die hat mich zum Nachdenken gebracht. Zu welchen gesellschaftlichen Zielen möchte ich beitragen? Für mich war dann klar, dass ich die Fluchtursachen bekämpfen möchte. Was kann man tun, um die Lebenssituation der Menschen zu verbessern? Das sind Fragestellungen, die mich sehr beschäftigen.“

Seit 2014 ist er im Vorstand. Er hat den Arbeitskreis Energie gegründet, um die inhaltliche Expertise, die bei den Brüsseler OV-Mitgliedern vorhanden ist, in die Bundespartei zu tragen und aktuelle Energiepolitik zu diskutieren. Aktuelles Thema ist Divestment, Kohleausstieg und das Energieunionsprojekt von Kommissionspräsident Juncker.

Hintergrund

Der OV Brüssel ist ein deutscher Auslands-Ortsverband, der bei seiner Gründung an den KV-Bonn als damalige Bundeshauptstadt angeschlossen war. Mit der Wende zog der OV Brüssel in den KV Berlin um. Mit Gründung der Städteregion Aachen 2009 entstand der Wunsch, sich dem neuen großen Kreisverband in Aachen anzuschließen, da die räumliche Nähe eine bessere Mitwirkung der Mitglieder an das politische Geschehen in Deutschland erlaubt. Als Auslandsverband in der europäischen Hauptstadt steht der OV-Brüssel in engem Kontakt mit den anderen europäischen GRÜNEN Parteien, u.a. die französischen, schwedischen, niederländischen, katalanischen und bulgarischen GRÜNEN.

Der OV sieht seine Hauptaufgaben in der Vertretung grüner Themen vor Ort in Absprache mit den belgischen GRÜNEN Parteien, der Bereitstellung einer grün-sozialen Infrastruktur für seine Mitglieder und Freund*innen, und der Einspeisung von europa- und lokalpolitischen Erkenntnissen in die Arbeit der Bundespartei. Sein Ziel ist es auch den sozialen Zusammenhalt zwischen den GRÜNEN Parteien aus allen EU-Mitgliedstaaten zu stärken.

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