Der Blausteinsee

Der Blausteinsee in Eschweiler bereitet Oliver Krischer MdB Sorgen. Hohe Wasserverluste und Eisenhaltiges Sümpfungswasser

Der Blausteinsee – kein gelungenes Beispiel einer Gewässerherstellung nach der Braunkohle

In den 1970er Jahren entstand die Idee, auf der Rekultivierungsfläche des auslaufenden Tagebaus Zukunft West einen See herzustellen. 1982 wurde von den Städten und Gemeinden Eschweiler, Alsdorf, Herzogenrath und Aldenhoven die Blausteinsee GmbH gegründet. RWE sagte den Kommunen zu, den Blausteinsee herzustellen und für die Erstbefüllung mit Wasser zu sorgen. Ob und was im Detail zwischen Kommunen bzw. Blausteinsee GmbH und RWE damals vereinbart wurde, ist uns nicht bekannt. Es scheint aber so zu sein, dass RWE in dem Fall nach der Erstbefüllung des Sees keine weiteren Verpflichtungen übernommen hat. 1993 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss für die Wasserbefüllung des Sees, die dann 1994 mit von RWE geliefertem Wasser begann. Im Jahr 2003 wurde ein Stauziel von 127 m über NN erreicht. Der See hat seitdem eine Fläche von etwa 101 ha, ein Volumen von 23,5 Mio. m3 und eine maximale Tiefe von knapp 42 m. Ein ursprünglich angestrebtes, um zwei Meter höheres Stauziel mit entsprechend größerer Fläche, Volumen und Tiefe wurde aus „wirtschaftlichen und betrieblichen“ Gründen seit 2001 nicht weiter verfolgt.

See verliert 120 l pro Sekunde

In der Befüllungsphase leitete RWE 86 Mio. m3 Wasser in den See (zwischen 150 bis über 400 l/s). Über 80% dieses Wassers verlor der See in der Befüllungsphase gleich wieder, vor allem durch Versickerung in den Untergrund. Ursache hierfür ist die Tatsache, dass der Untergrund des Sees durch die Sümpfungen des benachbarten Tagebau Inden weitgehend von Grundwasser entleert ist. Mangels Gegendruck des Grundwassers verliert der See permanent Wasser, derzeit über 120 l/s. Ganz offensichtlich ist der Seeboden aus Kostengründen nicht so hergerichtet worden, dass er dem Wasserdruck bei grundwasserentleertem Untergrund standhalten kann. Ohne künstliche Wasserzuführung wäre der Blausteinsee in 4 bis 5 Jahren vollständig entleert.

Möglicherweise über 2100 hinaus muss künstlich befüllt werden

Seit dem Ende der Erstbefüllung im Jahr 2005 sind bis heute weitere etwa 40 Mio. m3 Wasser in den See gepumpt worden. Daran wird sich mindestens bis 2065/70, möglicherweise aber sogar bis weit über das Jahr 2100 nichts Grundsätzliches ändern, da unklar ist, ob und wann der Untergrund sein endgültiges Grundwasserniveau und damit den nötigen Gegendruck für das Seewasser erzeugt. Fraglich ist darüber hinaus, ob der Blausteinsee, dessen Pegel um 37 Meter über dem zukünftigen Indesee liegen soll, nicht permanent in erheblichem Umfang Wasser an den nur wenige Kilometer entfernten Indesee verlieren wird.

Wasserlust deutlich unterschätzt

Aktuelle Gutachten deuten an, dass man die Wasserverlustproblematik beim Blausteinsee in der Planungsphase falsch eingeschätzt hat. Nach Studien aus der Planung sollte die jährliche Versickerung nach dem Ende der Erstbefüllung 1,6 Mio. m3 pro Jahr betragen. Tatsächlich beträgt sie aktuell – über 10 Jahre nach dem Ende der Erstbefüllung aber noch 4 Mio. m3 pro Jahr – also mehr als doppelt so viel wie erwartet. Der Wasserverlust geht zwar leicht zurück, wird aber wohl langfristig oberhalb des ursprünglich erwarten Niveaus liegen.

RWE nach der Erstbefüllung aus der Verantwortung entlassen

Es erstaunt aus heutiger Sicht, dass bei den Planungen und Vereinbarungen zur Herrichtung des Sees keine Regelungen für die weiterhin notwendige Wasserzuführung getroffen wurden, zumindest sind solche nicht bekannt. RWE hat der Blausteinsee GmbH nach dem Ende Erstbefüllung die Pumpkosten für die weitere Wasserzuführung in Rechnung gestellt. Die sollen sich auf rund 55.000 Euro pro Jahr belaufen haben. Seit dem Jahr 2009 soll RWE der Blausteinsee GmbH und damit den Kommunen die Pumpkosten als eine Art Gnadenakt erlassen und die weitere Wasserlieferung bis 2031 (Ende des Tagebaus Inden) garantiert haben, aber dieses Geschenk ist im wahrsten Sinne des vergiftet.

Vergiftetes Geschenk von RWE für See: Eisenhaltiges Sümpfungswasser 10 bis 15fach oberhalb des Grenzwertes

RWE pumpt in den Blaustein extrem eisenhaltiges Sümpfungswasser aus dem Tagebau
Inden. Die im Planungsfestellungsbeschluss festgelegten Eisen-Grenzwerte für das eingeleitete Wasser werden seit 2011 nahezu dauerhaft um das 10 bis 15 fache überschritten. Die Folgen für den Blausteinsee sind unübersehbar: Insbesondere, aber längst nicht nur an der Einleitungsstelle des Sümpfungswassers ist eine bis zu 7 cm dicke braun-graue Schlammschicht aus Eisenoxid ausgefallen. Das in den Anfangsjahren sehr klare Seewasser ist inzwischen trüb und die artenreiche Unterwasserflora und Fauna ist in großen Teilen des Sees verschwunden. Während der See in den ersten Jahren hohe Zahlen überwinternder Wasservögel aufwies, die sich von Unterwasserlebewesen ernähren, sind diese Vögel inzwischen im Winter gar nicht mehr anzutreffen.

Eisenschlamm erstickt Unterwasserleben

Zwar ist der Eisenschlamm nicht giftig, aber erstickt förmlich alles Leben auf dem Seegrund und im Wasser. Noch deutlicher als im Blausteinsee zu beobachten ist das nicht nur an der Spree und an zahlreichen Braunkohlerestseen in Ostdeutschland, sondern keine zwei Kilometer vom Blausteinsee entfernt: Das Niedermerzer Becken wird wie der Blausteinsee mit Sümpfungswasser aus dem Tagebau Inden künstlich befüllt und weist inzwischen Eisengehalte auf, die jedes Leben in diesem kleinen See ersticken.

Eisenbelastung angeblich kein Problem

Die Probleme sind RWE, der Blausteinsee GmbH und den Wasser- und Bergbehörden
bekannt. Es erstaunt aber, dass die Grenzwertüberschreitungen hingenommen und das in den nächsten 15 Jahren auch noch so weitergehen soll. Zumindest sind keine Aktivitäten bekannt, die Eisenfracht des eingeleiteten Sümpfungswassers zu reduzieren oder kurzfristig auf anderes Wasser zurückzugreifen. Angesichts der sichtbaren Beeinträchtigungen, wirkt die Aussage der Unteren Wasserbehörde, der Blausteinsee befinde sich in einem „sehr guten ökologischen Zustand“, was sich auch durch weitere Eiseneinleitungen nicht ändern werde, wie das Pfeifen im Walde. Man fragt sich, warum eine Behörde nicht eingreift, wenn ein in einem Planungsfeststellungsbeschluss festgelegter Grenzwert dauerhaft und langfristig überschritten wird.

Neue Millionenkosten für Seebefüllung ab 2031

Darüber hinaus steht die Frage im Raum, wie der See ab 2031 mindestens bis 2065/70,
wahrscheinlich sogar über das Jahr 2100 hinaus befüllt werden soll. Favorisiert in einem
Gutachten werden der Bau bzw. die teilweise Mitbenutzung von vorhandenen RWE-
Leitungen zum Transport von Wasser aus der Rur oder der Inde. Denkbar wären laut
Gutachter auch die Grundwasserentnahme an anderer Stelle oder die Entleerung des Sees und der Einbau einer wasserundurchlässigen Schicht auf dem Seeboden. In jedem Fall kommen auf die Blausteinsee GmbH und damit die Kommunen Kosten in zweistelliger Millionenhöhe zu. Ungeklärt erscheint die Frage, zu welchen chemischen und nachfolgend biologischen Reaktionen die Einleitung von Rur- oder Indewasser (mit jeweils hohen Phosphatgehalten) mit den großen Eisenmengen im See führt. Nicht ausgeschlossen erscheint, dass das Wasser vor der Einleitung in den See aufwendig gereinigt werden muss, was die Kosten weiter erhöht.

Probleme wurden bei Planung und Genehmigung ignoriert oder nicht bedacht

Egal was in Zukunft noch unternommen wird, um die Situation zu verbessern: Fakt ist, der Blausteinsee ist alles andere als ein gelungenes Beispiel einer Gewässerherstellung. Es ist überdeutlich, bei Planung und Erstellung des Blausteinsees wurde das Probleme des Wasserverlusts in einem grundwasserentleerten Untergrund und dessen Folgen entweder nichts ausreichend bedacht oder einfach ignoriert. Man hat fahrlässig zugelassen, dass RWE sich nach der Erstbefüllung  einer weiteren Verantwortung entziehen kann. Die Bereitstellung von extrem eisenbelasteten Sümpfungswasser, das RWE ohnehin entsorgen müsste, ist keine Übernahme von Verantwortung sondern ein vergiftetes Geschenk. Immerhin haben die Behörden bei Planfeststellungbeschluss das Eisen-Problem gesehen und einen klaren Grenzwert dafür festgelegt. Warum dessen dauerhafte und langfristige

Überschreitung um das 10 bis 15fache zu keinen Konsequenzen führt, ist nicht nachvollziehbar.
Konsequenzen für Inde-, Hambach- und Garzweilersee
Wenn es nun schon nicht gelungen ist, den „kleinen“ Blausteinsee herzustellen, welche
Sorgen muss man deshalb inm Hinblick auf die um ein vielfaches größeren
Herausforderungen der Herstellung des Inde- und erst recht des Hambach- und
Garzweilersees haben? Dabei sind folgende unterschiedliche Pegelhöhen des Blausteinsees
(+127m NHN) über den Indesee (+92 m NHN) und Hambachsee (+65 m NHN) bzw.

Garzweilersee (+65 m NHN) bis hin zur abgesenkten Erft (kleiner +60m NHN) hin geplant.

Fraglich ist, ob der Blausteinsee, angesichts dessen nicht permanent in erheblichem Umfang Wasser an den nur wenige Kilometer entfernten Indesee verliert? Das gilt in gleicher Weise für den Höhenunterschied von 27 Metern zwischen dem Indesee und dem ebenfalls nur etwa 6 km entfernten Hambachsee. Hinzu kommt, dass der „nur“ 180 Meter tiefe Indeesee etwa zwei Jahrzehnte vor dem über 400 Meter tiefen Hambachsee befüllt werden soll. Wer trägt die Kosten für diese dann auf ewig notwendige Wasserzuführung? Es muss geklärt werden: Trifft die Behauptung des Bergbautreibenden zu, dass die schmalen

Bereiche zwischen den Restlöchern, dem enormen Wasserdruck standhalten?
Die Erfahrung der Herstellung des Blausteinsees lehrt uns, dass

 Probleme der Seerekultivierung und deren Folgeschäden, im Vorfeld ignoriert oder

nicht bedacht worden sind und erst im Prozess und lange nach Beendigung des

Bergbaus deutlich werden.

 Details der den Genehmigungen und Annahmen zugrundeliegenden Messungen und

Rechenmodelle nicht öffentlich und damit nicht kritisch überprüfbar sind.

 Genehmigungsstellen auf Angaben und Rechenmodelle des Bergbautreibenden

angewiesen sind, ohne diese durch eigene Berechnungen prüfen zu können.

 Risiken so zu wenig geprüft werden können und somit die möglichen Folgekosten auf

die Bürger und die öffentliche Hand verlagert werden.

 der Bergbautreibende sich so durch eigene Begutachtungen vom Risiko von

Ewigkeitslasten und langfristigen Bergschäden freistellen kann.
Deswegen bedarf es wie bei der Steinkohle eine unabhängige und darüber hinaus

transparente Untersuchung der Ewigkeitslasten der Braunkohle, um sicherzustellen, dass

diese Belastungen auch vom Verursacher getragen werden.

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