Zweitstimmen sind Horst-Dieter Heidenreichs Ziel

Horst Dieter Heidenreich, Grüner Direktkanditat Wahlkreis Aachen III (Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath, Würselen) im Interview mit den Aachener Nachrichten – Nord.

Aachener Nachrichten Nord, 21.04.2012

Nordkreis. Über einen Listenplatz verfügt Horst-Dieter Heidenreich nicht. Das war auch bei der Landtagswahl vor zwei Jahren so. Zudem macht sich der Kandidat der Grünen im Nordkreis keine falschen Hoffnungen auf das Direktmandat. Aber deshalb lässt er den Kopf nicht hängen.

Ganz im Gegenteil. Er will möglichst viele Zweitstimmen für die Grünen holen, um deren Politik im Landtag zu stärken, sagt er. Dabei dürfte sich Heidenreich mit den Gegebenheiten in Düsseldorf bestens auskennen.

Seit 20 Jahren arbeitet er dort für grüne Landtagsabgeordnete als persönlicher Referent und wissenschaftlicher Mitarbeiter – derzeit für Reiner Priggen aus Aachen. «Es wäre für mich schon reizvoll, mal auf die politische Seite zu wechseln», erwägt er, zumindest beim nächsten Mal einen möglichst aussichtsreichen Listenplatz innerparteilich anzustreben. «Aber diese basisorientierte Arbeit bedarf Zeit.» Die fehlte jetzt nach Auflösung des Landtags.

«Innerhalb von zwei Jahren nach der Landtagswahl 2010 hat sich viel getan. Die Grünen kandidieren nicht mehr aus der Opposition, sondern mit einer Erfolgsbilanz aus der Regierungsbeteiligung heraus», sieht er als Plus. Auch wenn Rot-Grün «nur» eine Minderheitsregierung bilden konnten, sei diese aus Sicht der Grünen mit Blick auf Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die bisher beste gewesen. «Das war zwischen SPD und Grünen ein Arbeiten auf Augenhöhe.»

Heftige Kritik übt Heidenreich an der abrupten Förderreduzierung für Solaranlagen. «Das ist völlig kontraproduktiv und kostet viele Arbeitsplätze in einer noch jungen und zukunftsfähigen Branche», sagt er. «Das ist der FDP geschuldet.» Er setzt sich für eine bessere Förderung erneuerbarer Energien ein, etwa der Kraft-Wärme-Kopplung. Er befürchtet, dass es zur «Renaissance fossiler Energie» (Braunkohle) kommt, wenn nach der Wahl SPD und CDU eine große Koalition bilden würden.

Der Solidarpakt muss nach seiner Auffassung umgestaltet werden. Nicht mehr die geografische Lage (neue Bundesländer im Osten), sondern der tatsächliche Bedarf muss zur Grundlage für die Mittelzuweisung an Kommunen werden.

Der konsequente Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, so zum Beispiel der Euregiobahn, sind ihm wichtig. Dazu gehört der Anschluss von Baesweiler, die schnelle Elektrifizierung des Streckennetzes und die damit verbundene Neuanschaffung von rollendem Material.

Und wie steht es um die notwendigen Zuschüsse für das geplante Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) auf dem Annagelände, wenn bei der Wahl am 13. Mai die Karten für eine neue Landesregierung gemischt werden? Mit dem Umbau der Kraftzentrale im Rahmen des Projekts Soziale Stadt hat Heidenreich keine Probleme, er begrüßt das. Aber die Grünen lehnen bekanntlich den Neubau von Gymnasium und Realschule ab, wollen lieber die Gebäude am aktuellen Standort in Ofden nachhaltig saniert wissen.

«Es ist schwer einzuschätzen, wie es bei den zu bauenden Schulen weitergeht», meint der Kandidat. Mit Blick auf die gedeckelten Mittel in Höhe von 36 Millionen Euro hofft er, dass es angesichts von Kostensteigerungen nicht zu einem «Einfachbau» kommt, sondern ein hoher Energiestandard eingehalten wird, «wenn schon neu gebaut wird». Heidenreich: «Das Land wird für das Kubiz nicht noch mehr Geld in die Hand nehmen.» (-ks-)

Zur Person:

Gründungsmitglied der Grünen in Alsdorf

Als „Ur-Alsdorfer“ bezeichnet sich Horst-Dieter Heidenreich. Hier wurde er am 7. Oktober 1957 geboren, hier lebt er auch heute noch. Am Alsdorfer Gymnasium machte er 1978 Abitur, studierte Chemie, leistete seinen Zivildienst und studierte Germanistik und Politische Wissenschaften. Im Landtag arbeitete er für mehrere Landtagsabgeordnete der Grünen, seit dem Jahr 2000 für Reiner Priggen (Aachen).

Mit 16 Jahren trat Horst-Dieter Heidenreich zunächst in die SPD ein, war da aber schnell enttäuscht wegen des Politikwechsels unter Helmut Schmid, der Haltung zur Atomkraft und ökologischen Fragen und verließ die Partei. 1980 trat er den Grünen bei und gehörte zu den Gründern des Alsdorfer Ortsverbands. Seit 1984 gehört er dem Stadtrat an und ist dort Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Quelle: Aachener Nachrichten – Nord

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